Die Zeit nach 1864

 

Hier lassen sich leider nur einige Einträge aus dem o.g. Oberhofer Büchlein und dem Artikel des von Roda wiedergeben, da das Original-Tagebuch nicht vorliegt.

So schreibt von Roda: Weite Märsche scheinen ihm sehr gelegen zu haben. Täglich läuft er die größten Strecken, wenn es sein muß, ohne sich auch nur einen Ruhetag zu gönnen. Kaum mögen wir von heute es glauben, und doch können wir es lesen: am 18.3.1865 brachte er mit einem Gehilfen zusammen das Klavier eines Försters auf dem Schlitten nach Friedrichroda! Den Schlitten verkauften sie alsdann daselbst und kehrten wieder zurück.

 

Es mag nicht wundernehmen, wenn ein so eifriger und vielseitiger Arbeiter Anerkennung findet, und so wird der Holzhauer zum Hilfskreiser ernannt und in Zella verpflichtet. Doch abermals welches Kuriosum. Wir lesen vom 3.6.1865: „Bin nach Klein Tabarz gegangen und habe mir einen Kreißersrock anmessen lassen.“ Es konnte nicht festgestellt werden, aus welchem Grunde er hierzu bis nach Tabarz laufen mußte.

 

9.8.1866 bin ich und der Forstassistent Graf nach Stadt Schmalkalden, haben Bloche gesucht, welche uns die Hessen an den Fallbächern gestohlen haben und gefunden.

Sehr oft muß er sodann wegen dieser Bloche aufs Amt nach Steinbach usw. Auch in Schwarzwald hatte er dann und wann wegen ähnlicher Vorkommnisse Haussuchung zu tun. Schließlich gab es auch damals schon solche Holzkunden, die wohl das Holz aus dem Wald fuhren, es mit der Bezahlung aber gar nicht so eilig hatten. Der gute Kreiser mußte zuletzt selbst noch drauflegen, was andere zu bezahlen nicht für nötig hielten!

 

Als ganz besonderes Ereignis in seinem Försterberuf mag es gelten, daß unser Christian Hofmann Zeuge sein durfte dessen, wie die Lütsche-Tragödie ihren Abschluß fand. Hiervon berichten uns in kurzer, knapper Form zwei Eintragungen.

3.8.1867 Die Wilddiebe schossen am Schlossberg ein Stück Wild. Den ganzen Tag und Nacht am Schlossberg gewacht.

4.8.1867 Sonntag. Nachmittag haben die Soldaten einen von den Wilddieben erschossen….Es war Ernst Catterfeld von Gräfenroda, früher Schulz von Lütsche (Anmerkung: Heinrich Elias Ernst Catterfeld wurde am 8.8.1867 in Oberhof begraben.).

              

Daß unser Kreiser noch Kugeln gießen muß, braucht uns nicht zu verwundern, eben so wie wir immer wieder lesen, Wild aufgebrochen, zerwirkt, gewambt, Hirschgeweih abgekocht, Wildpertswangen und Gescheite rein gemacht. Kam der Herzog, so war der Dienst besonders stramm. Dazu finden wir:

24.9.1867 In Schloß bei den ankommen des Herzogs Gepäck geholfen.

25.9.1867 Auf Order lauern müssen beim Schloß.

Und schließlich das Wetter! So wie wir heute noch die sonderbarsten Beobachtungen machen können, so war es schon vor 70 Jahren, als uns unser Christian Hofmann sein Tagebuch schrieb.

14.3.1873 vieler Schnee. Der Bahnbrecher ist in Oberhof übernachtet.

24.-30.4.1873 Schnee, starke Schneestürme, viel Schnee, Kälte, Steiberwetter.

 

Von Roda beendet seinen Artikel mit einigen Sätzen, die heute, 85 Jahre später, immer noch ihre Gültigkeit haben: Soweit berichtet uns unser Christian Hofmann. Wir Menschen der Jetztzeit können von ihm nur lernen. Was leben wir doch schnell und gehetzt! Ein wenig Beschaulichkeit könnte uns oftmals nicht schaden. Und wenn unser tägliches Leben sie wirklich nicht brauchen kann, dann wollen wir uns sie doch wenigstens nehmen, wenn wir das Heute einmal hinter uns lassen und die um Worte bitten, die vor uns waren.

 

Aus der Zeit bis zum nächsten Tagebuch ab 1905 sind nur vereinzelte Informationen über den Christian Hofmann bekannt.

 

Für das Jahr 1868 liegt ein „Kaufcontract“ vor. Christian Hofmann, seine Frau und Christian Julius Langenhan (der Bruder von Christians Frau) kaufen von dem damaligen Lehrer und Kantor Friedrich Christoph Schneegaß, dessen zwei Töchtern und einer Enkelin ein Ackergrundstück am Harzwald für 155 Thaler ab.

 

Durch einen „Looszettel“ ist belegt, dass Christians Frau 1877 nach dem Tod ihrer Mutter 1/3 Erbanteil erhält. Es handelt sich dabei um zwei Grummetswiesen mit einer Gesamtfläche von 29,4 Ar am Brandweg und am Schuderbach, sowie Bargeld in Höhe von 825 Mark.

 

Ein Überbleibsel aus alter Zeit belegt, dass Christian Hofmann Mitglied im Gesangsverein war und in den Jahren 1876 bis 1878 an Konzerten mitgewirkt hat. Eine Plakette erinnert daran, die heute in der Oberhofer Kirche zu finden ist.

 

 

Es liegt ein Plan von 1883 vor, mit dem der geplante Aus- und Umbau des Hauses von Christian in der Tambacher Straße dokumentiert ist. Ob er oder sein Vater das ursprüngliche Haus erbaut oder gekauft haben ist nicht bekannt. Noch über 100 Jahre sollte die Familie Hofmann in diesem Haus, in dem sich damals auch eine Bäckerei und später auch die weiter unten erwähnte Tischlerei befanden, leben. Diese Bäckerei war der Ursprung des späteren Cafe Hofmann (siehe dazu weiter hinten in der Chronik) – es ist ja belegt, dass Leopold Hofmann (der Sohn von Christian) 1883 mit dem Bäckerhandwerk begann.

 

Die letzte Bewohnerin aus der Familie war Therese (Thea) Hofmann (Enkelin von Christian) bis zu ihrem Tod 1985. Das Haus wurde um 2010 herum abgerissen, mittlerweile befinden sich Neubauten auf dem Grundstück.

                                         So sah das Haus zuletzt aus                                                                                                         Heutige Neubauten auf dem Grundstück

Auf diesen beiden Fotos im Hintergrund rechts ist die ehemalige Villa Abendroth von Emil Hofmann zu sehen, dem Sohn von Christian Hofmann.

 

Das Herzogshaus wollte in der Nähe des Jagdschlosses den Christian Hofmann als Vertrauensperson und Kustos für das Jagdschloss ansiedeln, um seine regelmäßige Anwesenheit zu garantieren. Es gab deshalb 1891 einen Landtausch (siehe nachstehende Urkunden) und die Umsetzung eines nicht mehr benötigten Pirschhauses aus Georgenthal als Wohnhaus nach Oberhof.

Christian Hofmann wurde als Kastellan für das Jagdschloss bestimmt. Die ersten Oberhofer Reiseführer vor 1900 informierten: „Während der Abwesenheit der Hohen Herrschaften, d.h. fast das ganze Jahr hindurch mit Ausnahme von etwa 3 Wochen im September, […] ist der Durchgang und die Besichtigung des Schlosses gestattet. […] Man wende sich zu diesem Behufe an den Schloß-Kastellan, wohnhaft im alten Forsthaus. Derselbe übernimmt gegen eine bescheidene Vergütung die Führung.“

Das Interesse war gewaltig. Es ist überliefert, dass viele Besucher mit dem Bericht der „Über Land und Meer. Deutsche Illustrirte Zeitung“ zu den Führungen erschienen und ausgestattet mit diesem Detailwissen, durch gezielte Fragestellungen den Kastellan zur Weißglut brachten.

 

Nachstehend ist das oben erwähnte Pirschhaus zu sehen (rechts), links davon das herzogliche Jagdschloss.

Plan des Pirschhauses

 

1897 hat Christian eine Versicherung für seine Nachkommen abgeschlossen, siehe nachstehenden Aufnahmeschein. In dem Zusammenhang – sein damaliger Verdienst von 100 Mark monatlich war schon sehr gut, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittsverdienst 1897 bei 62 Mark lag.

 

Aus dem Jahr 1898 existiert eine Benachrichtigung über Löschung eines Pfandrechts, die dem Kreiser Herrn Johann Christian Hofmann als Dienstsache zugestellt wurde.

Darin heißt es „…ist das auf Ihren Grundstücken im Grundbuch von Oberhof ……… wegen 3000 Mark Darlehn der Herzogl. Landescreditanstalt in Gotha eingetragene Pfandrecht am heutigen Tage gelöscht worden. Zella, den 29. December 1898, Herzogl. Sächs. Amtsgericht“.