Das Logierbuch 1897 bis 1904

 

Nur ganz vereinzelte Kurgäste finden wir zu Anfang der 1860er Jahre in Oberhof: bis 1863 konnten diese nur im Domänen-Gasthof wohnen. Das erste Privatlogis nahm 1864 Frau v. Schlotheim im Hotel „Zum Thüringer Wald“, das damals noch keinen Wirtschaftsbetrieb hatte. Dazu kam 1868 eine zweite Privatwohnung im Elternhaus des Beigeordneten Eduard Holland im Oberland, die für 6 Personen ausreichte. 1870 wurde zum ersten Male im Hause des Geschirrhalters Oskar Holland I vermietet, wo der damalige Landrat Senfft von Pilsach auf mehrere Wochen Wohnung nahm. In der Dienstwohnung des Lehrers Brand wurden die ersten Kurgäste 1871 aufgenommen.

1874 wurde wieder für acht Personen Wohnung beschafft, dadurch, dass der Forstwart Christian Hofmann sein Haus übersetzen ließ.

 

Aus dem Logierbuch von 1897 bis 1904 geht hervor, dass Christian offensichtlich nicht im Winter vermietete (erst ab Dezember 1904 sind die ersten Wintergäste in Oberhof zu verzeichnen), das Buch führt Gäste auf im Zeitraum von Ende Mai bis Anfang/Mitte September; in zwei Fällen gab es eine Vermietung im April und eine im Oktober. Die Übernachtungen dauerten meist nur ein bis zwei Tage. Meist waren es nur ein oder zwei Personen, manchmal aber auch Familien mit drei bis fünf Personen. Sie kamen nicht nur aus der näheren Umgebung wie Gotha oder Eisenach, die meisten Gäste kamen von weiter her, z.B. aus Berlin, Bremen, Dortmund, Frankfurt, Königsberg. Einzelne Gäste kamen sogar aus dem Ausland, so die Freiin von Fries aus Meran oder eine Familie New York.

 

Es war eine durchaus illustre Gesellschaft, die sich bei Christian Hofmann zur Übernachtung einfand, z.B. Frau Vizeadmiral Bendemann und Tochter aus Berlin, Frau Gräfin v. d. Goltz mit Familie aus Altona, ein Oberbürgermeister mit Frau oder ein Fabrikbesitzer aus Dresden mit Familie. Manche wie der Pastor Schmidt aus Ammern kamen auch immer wieder.

Nachstehend als Beispiel seine Einträge für das Jahr 1897.

Saisonkarte von 1902

 

In Griebens Reiseführer von 1915 (Christian war zu diesem Zeitpunkt bereits 76 Jahre alt) ist er noch unter den Unterkünften, Privatwohnungen, Rubrik Mietpreis nach Übereinkunft, aufgeführt.

 

Aus dem Jahr 1902 existiert eine Oberhofer Dienstvorschrift für Wachpflichtige. Dort heißt es: Jeder Wachpflichtige hat nach obengenannter Zeit fortwährend in Thätigkeit zu bleiben u. in seiner Wohnung Licht zu brennen, auf verdächtige Personen zu vagiliren besonders aber auf Feuer u. Licht die größte Obacht zu haben und bei Wahrnehmung einer Feuersgefahr unverzüglich Lärm zu machen und die Ortspolizeibehörde, sowie die beiden Feuerwehrkomandanten u. den Feuerwehrmann Heinrich Ullrich (als Hornist) sofort in Kenntniß zu setzen.

Die Wachzeit begann immer um 10 Uhr abends. In den vier Wintermonaten endete sie morgens um 4 Uhr, im Frühjar und Herbst um 3 Uhr morgens und in den vier Sommermonaten um 2 Uhr morgens. Im nachstehend gezeigten Auszug aus dem Wachplan ist der Christian Hofmann gleich zu Beginn aufgeführt, sein Sohn Emil hatte am 30. Januar Dienst und sein Sohn Leopold am 8. Februar.

Auszug aus dem Wachplan

 

Das Tagebuch 1905 bis 1922

 

In diesem Tagebuch fehlen September 1907 bis April 1910, die Seiten sind herausgerissen. Die Einträge sind im Vergleich zum vorherigen Tagebuch sparsamer, auch die Einträge zum Wetter sind nicht mehr vorhanden (erst ab 1910 wieder vereinzelt). Ab 1915 gibt es keine täglichen Einträge mehr, ab 1916 notiert er teilweise nur noch die Sonntage und besondere Ereignisse.

 

Fast täglich trägt er ein, dass er auf dem Revier war, ab 1915 werden diese Einträge etwas weniger und ab 1916 ist er nicht mehr im Revier (also bis zum Alter von 77 Jahren).

Erstaunliches findet sich im März 1905, hier schreibt er am 13.3. „nach Darmstadt“, und am 27.3. „von Darmstadt zurück“. Das ist, zumindest seinen Tagebüchern nach, seine weiteste Reise. Warum und wie er nach Darmstadt fuhr, darüber ist leider nichts bekannt.

Am 17. September 1905 schreibt er: „Einzug Sr. Königl. Hoheit Herzog Carl Eduard“. Und dann am 20. September: „Herzogl. Hofjagd“.

1912, im Alter von 73 Jahren, notiert er

„14.10. In Zella im Gericht habe meinen Grundbesitz den Kindern abgegeben.“

 

Aus der entsprechenden Grundbuchabschrift geht folgendes hervor:

  1. ein Wohnhaus mit Zubehör, Grummetswiese und Land am Harzwald
  2. In Folge Auflassung werden 9,7 ar (9.700 qm) unter ….. von dem Grundstücke abgetrennt
  3. das Recht des Insitzers im Wohnhause für den Forstaufseher a. D. Christian Hofmann in Oberhof                                                                                  

 

  1. 7,1 ar Land am Harzwald
  2. 10,7 ar Land im …….
  3. 6,7 ar Land am Harzwald
  4. 29,7 ar Grummetswiesen am Schlossberg

Die neuen Besitzer sind – zu je einem Viertel – seine 4 Kinder Leopold, Emil, Anna und Olga.

 

Eine besondere Ehrung wurde ihm 1913 zuteil:

„27.3. wurde mir von Sr. Königl. Hoheit d. Herzog (Anmerkung: damit dürfte Carl Eduard Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha gemeint sein) sein Bild nebst Diplom von gemeinde Kirchenrat durch Herrn Pfarrer Müller überreicht.“

Seinen goldenen Hochzeitstag am 7.6.1913 erwähnt er kurz und knapp – mit seiner Frau konnte er ihn nicht mehr feiern, da diese bereits 1896 verstorben war.

Der erste Weltkrieg findet mit drei kurzen Eintragungen Erwähnung in seinem Tagebuch:

„1.8.1914 Mobilmachung

6.8.1914 ist Rudolf (Anmerkung: sein Enkel) eingezogen worden

2.9.1914 in Ohrdruf bei den gefangenen Franzosen“

 

Am 28. Mai 1922 endet sein Tagebuch. Er hat in diesem Jahr nur noch die Sonn- und Feiertage aufgeschrieben ohne weitere Anmerkungen. Mit folgendem Spruch hat er das Jahr 1922 überschrieben: Alles mit Gott dann hats keine Noth.

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